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Was ist Karate-Do?



Oberflächige Erklärungen gibt es mehr als genug, weshalb hier etwas näher auf die Geschichte eingegangen wird. Dies mag zunächst etwas verwirrend sein und langatmig wirken, was der Autor jedoch bewusst in Kauf nimmt, da das Verständnis der Geschichte den "Geist" des Karate erkennen lässt.

budoDer japanische Begriff budo wird als zumeist sehr weit gefaßter Sammelbegriff für asiatische Kampfsportarten verwendet.

Das Schriftzeichen bu steht dabei für Kampf oder Militär und ist selbst aus den Zeichen für Kampf, Krieg bzw. Hellebarde sowie Anhalten bzw. Beenden zusammengesetzt.

Die Zusammensetzung ist auf die vom früheren japanischen Ritterstand, den Samurai, und den Kriegern ("bushi") praktizierten Techniken ("bu jutsu" genannt) zurückzuführen. bu jutsu kann sinngemäß mit "siegreiches Beenden eines Kampfes" oder "perfektionierte Technik" übersetzt werden.

Da jutsu sich auf die effizienteste Anwendung von Techniken bezieht, zeichnet sich der ursprüngliche Sinn dieser Techniken ab:

Perfektionierte, todbringende Kampftechnik mit dem Ziel des schnellstmöglichen Sieges.

Im Laufe langer Friedenszeiten sowie unter starkem Einfluß des Zen-Buddhismus wurde das Zeichen jutsu durch das Zeichen do ersetzt.

doDas Zeichen do besteht ebenfalls aus zwei zusammengesetzten Symbolen:
Zum einen beinhaltet es das Zeichen für einen sich bewegenden Menschen (gehend), zum anderen ist das Ziel, auf welches sich dieser Mensch zubewegt, beinhaltet.

do wird allgemein mit Weg und "Bedeutung des Weges" übersetzt. Aus diesem Zusammenhang ergibt sich, dass bu-do das Beenden eines Kampfes nicht mehr durch kompromisslose Anwendung siegreicher Technik, sondern durch die Geisteshaltung bedeutet. Durch die Schulung des Weges zum Nichtkämpfen-Wollen wird die rechte geistige Einstellung erreicht. Die notwendige Beherrschung und (Selbst-)Sicherheit wird durch hartes Training sowohl körperlicher als auch geistiger Art erworben.

Karate ist das Resultat von über Jahrtausende hinweg entwickelter und immer weiter perfektionierter asiatischer Kampfkunst. Es ist aufgrund der langen Weiterentwicklung die wirksamste Form der waffenlosen Selbstverteidigung, bei der die Extremitäten des menschlichen Körpers als natürliche Waffen bei extrem dynamischen Schlägen, Stößen und Tritten zu Abwehr- und Angriffstechniken eingesetzt werden.

kara kara steht für leer
te te steht für Hand

Karate-Do bedeutet also "Weg der leeren Hand".

Im neuen Japanisch wurde die alt-japanische Bedeutung "China Hand" oder "Chinesische Hände" in "Leere Hand" geändert. Der Begriff Karatedo wurde im November 1930 offiziell vom Okinawa Sportverband anerkannt. Für die in Japan entwickelten Stilrichtungen wurde vorher hauptsächlich der Begriff "Tode" verwendet.

Das bedeutet, dass der Karate-Betreibende (der Karateka) waffenlos und auch sein Geist "leer", also frei von negativen Gedanken und Gefühlen ist. Dies bringt einen sehr hohen ethischen Anspruch mit sich:

Es geht nicht um Sieg oder Niederlage in einem Kampf, sondern um die Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Es wird von einem Karateka angestrebt, dieses Ziel durch äusserste Konzentration und Selbstbeherrschung zu erreichen, wobei der Respekt vor dem Gegner an erster Stelle steht.



Es gibt niemals einen ersten Schlag!

Schon die Erklärung der sprachlichen Hintergründe lässt die Bedeutung des wohl fundamentalsten Grundsatzes eines Karatekas sehr leicht erkennen. Betrachtet man die historische Entwicklung mit ihren religiösen Hintergründen, dann gibt es gar keinen Zweifel mehr daran, dass dieser Satz in aller Kürze erklärt, warum Karate zur Selbstdarstellung vollkommen ungeeignet ist (auch wenn das vielerorts stark auf Wettkämpfe bezogene Training anderes vermuten lässt):

Es gibt von einem echten Karateka keinen ersten Angriff, er verteidigt sich nur.

Durch das harte Training werden sowohl die körperliche Leistungsfähigkeit als auch die Disziplin gefördert. Gleichzeitig wird im Laufe der Zeit immer mehr Respekt gegenüber Anderen entwickelt.

Das Erlernen dieser Kampfkunst dauert Jahre und erfordert eine Menge Selbstdisziplin sowie hartes Training. Durch das Training werden Ausdauer, Beweglichkeit, Kraft und Schnelligkeit verbessert. Die eigene Körperwahrnehmung und die Konzentrationsfähigkeit werden durch Atem- und Entspannungsübungen sowie Meditation gesteigert.

Das klassische Training bestand eigentlich nur aus Übung der Gesamtbewegungen, Katas und der Arbeit mit dem Makiwara. Viele Nicht-Asiaten bezeichnen diese Trainingsmethoden als eintönig.

Im Gegensatz zum sportlich orientierten Karate hatte das klassische Training nur ein Ziel: Steigerung der Effizienz. Das Training diente nicht zur Kampfübung, sondern der Gesundheit, der Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit und somit der Optimierung der Kraftentfaltung.

Der Shinai, der heute selbstverständlich erscheinende freie Angriff (Voraussetzung für den freien Kampf, kumite), existierte nicht, da alle Techniken immer so effizient wie möglich ausgeführt wurden. Der freie Kampf wurde erst mit Erstellung von Regeln (1936, hauptsächlich Gogen Yamaguchi Hanshi) möglich, was in der Folge die Popularität von Karate ungemein erhöhte.

Kata Sanchin korrekt ausgefuehrt!?!Zur Überprüfung der korrekten Ausführung von Techniken werden bei öffentlichen Vorführungen zur Demonstration der Wirksamkeit der Techniken und Übungen häufig Bruchtests absolviert. Hier wird durch Abschlagen von zwei gebündelten Besenstielen über den Bauch gezeigt, dass die Muskelanspannung bei der Ausführung der Kata Sanchin korrekt stattfindet.

Derartige Tests sind nicht Bestandteil des Trainings!